Gottsuche als Lebensaufgabe

Nach dem hl. Benedikt soll ein Kloster eine Schule für den Herrn sein, d.h. ein Ort, um Christ-Sein zu lernen und einzuüben. Für den Mönch ist das ein lebenslanger Weg in der Gemeinschaft der Brüder, Gott zu suchen und den Weisungen des Evangeliums gerecht zu werden. Diesem Ziel dienen die Regeln und Abläufe im Kloster: unsere Liturgie, die regelmäßige Tagesstruktur, unsere Aufgaben, die gemeinsamen Mahlzeiten, das Wohnen in der Klausur als unserem Privatbereich, auch die Feste, die Freizeit und das gemütliche Beisammensein mit den Mitbrüdern. Durch unser Dasein und Wirken versuchen wir, den Spruch auf der Fassade unserer Stiftskirche mit Leben zu erfüllen: „Wirklich, der Herr ist an diesem Ort“ (Gen 28,16). Wir hoffen, dass Sie diese Erfahrung mit uns machen dürfen.

Ein Tag im Stift (Tagesablauf)

Als geistliche Familie haben wir im Stift Kremsmünster einen Rhythmus, durch den wir als Gemeinschaft miteinander leben können. Wie in allen Klöstern ist auch bei uns der Tag klar und ausgewogen gegliedert, vom Läuten der Glocke am Morgen um 5:55 Uhr bis zur Ruhe der Nacht. Alles Wichtige hat so seinen Platz: das Gebet, die Arbeit, die geistliche Lesung, das Essen, die Erholung und der Schlaf. Für den hl. Benedikt soll dabei entsprechend dem biblischen Ideal, ohne Unterlass zu beten, jedes Tun zum Dienst für Gott werden.

6:00

Laudes im Kapitelzimmer (Klausur)

6:30

Konventmesse in der Michaelskapelle

7:00

Zeit für Betrachtung (lectio divina)

6:30 - 9:00

Gelegenheit zum Frühstück

8:00 - 12:00 Arbeitszeit

12:00

Mittagshore in der Stiftskirche

12:25

Mittagessen

14:00 - 18:00 Arbeitszeit

18:00

Vesper in der Marienkapelle

18:25

Abendessen

19:00

Vigil und Komplet im Kapitelzimmer

19:30 Abendruhe, z.T. noch Termine auswärts

Je nach Aufgaben sind die Arbeitszeiten des Einzelnen flexibel und verschieden.

Der Heilige Benedikt und seine Regel

Wir Mönche vom Stift Kremsmünster heißen Benediktiner, da wir nach der Regel des hl. Benedikt leben. Der Tradition nach hat er sie für sein Kloster Monte Cassino südlich von Rom um 530 geschrieben. 

Um das Jahr 480 im umbrischen Norcia (Italien) geboren, war er zunächst zum Studium in Rom, bis er, abgestoßen von den dortigen Verhältnissen, die Stadt verließ. Um ganz Gott zu gehören und um der zu werden, der er vor Gott sein sollte, zog er sich in die Einsamkeit in eine Höhle bei Subiaco östlich von Rom zurück. Doch das Einsiedlerleben war nicht seine Berufung, so dass er seine Höhle verließ.

Noch als Einsiedler hatte ihn die Gemeinschaft von Vicovaro gebeten, ihr Abt zu werden. Als er ihnen jedoch zu streng wurde, versuchten sie ihn zu ermorden. Als Benedikt den vergifteten Weinbecher mit dem Kreuz segnete, zersprang er und eine Schlange als Symbol für den Teufel wurde sichtbar. Daher hat Benedikt in der Kunst nicht nur seine Regel, sondern auch einen Becher mit einer Schlange in der Hand. Nach einem nochmaligen Rückzug in die Höhle gründete er in Subiaco und Umgebung seine ersten Klöster. Als man ihm dort aber seinen Erfolg neidete, verließ er den Ort mit seinen Schülern wieder und brach erneut auf.

So zog er schließlich auf den Monte Cassino, wo man bis heute sein Grab verehrt; dort erhob ihn im Jahr 1964 Papst Paul VI. zum Patron Europas.

Die Erfahrungen im geistlichen Leben, Erfolg und Scheitern, Einsamkeit und Gemeinschaft spiegeln sich in seiner Regel und der Beschreibung seines Lebens von Papst Gregor dem Großen (+604) wider. Es sind tiefe Einsichten, die uns auch heute noch viel zu sagen haben, obwohl seit dem Tod Benedikts um 550 bereits fast 1500 vergangen sind.

Hier erfahren Sie mehr über die Benediktsregel

Benedikt von Nursia (um 480-547) - Regula Benedicti

Im lateinischen Westen war das Mönchtum bereits fest etabliert, berühmte Klöster mit eigenen Regeln gegründet, als in der Mitte des 6. Jahrhunderts in Mittelitalien ein Text geschrieben wurde, der alle früheren an Kraft und Wirkung bei weitem überflügeln sollte: Die Regula Benedicti (= RB). Dieses zentrale geistliche Dokument wurde der Überlieferung nach vom hl. Benedikt als Lebensordnung seines Klosters Monte Cassino verfasst, um „eine Schule für den Dienst des Herrn einzurichten“ (RB Prolog 45). Er will mit der Regel „eine dem Mönchtum einigermaßen entsprechende Lebensweise“ ermöglichen (RB 73,1). Die RB bietet dabei keine originelle Neuinterpretation des Mönchtums, sondern schöpft aus einer reichen Tradition; sie zeichnet sich dadurch aus, wie sie ihre Quellen auswählt und so eine ausgewogene und lebensnahe Ordnung entwirft. Ihre Sprache ist stark biblisch durchdrungen, will sie doch zeigen, was es heißt, gemäß dem Evangelium zu leben. Christus steht im Zentrum ihrer Spiritualität: „Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen“ (RB 72,11). Das betrifft nicht nur den Gottesdienst und das Gebet, sondern das ganze Leben, die Arbeit, ja auch die Nachtruhe. Alles ist miteinander in einem ausgewogenen Verhältnis verzahnt, so dass es gerade im Kapitel über die berufstätigen Brüder heißt: „Damit in allem Gott verherrlicht werde“ (RB 57,9).

Gregor der Große charakterisiert die Regel als „discretione praecipua“ und „ sermone luculenta“ (Dial. 2,36), d.h. „ausgezeichnet durch maßvolle Unterscheidung und wegweisend durch ihr klares Wort“. Das bringt das Wesen der RB weit besser auf den Punkt als die vermeintliche Zusammenfassung „Ora et labora et lege“, die nicht von Benedikt stammt. Abgesehen von einigen zeitbedingten Aussagen sind Anliegen und Ansatz der RB von zeitloser Gültigkeit. Ihre maßvolle Art macht sie auch heute wegweisend für das geistliche Leben. So wird die RB nicht nur für Mönche und Nonnen, sondern für jeden geistlich Suchenden zu einer reichen Quelle, wie man ein christliches Leben führen kann.

Textausgabe:
Regula Benedicti – Die Benediktusregel. Lateinisch / deutsch. Herausgegeben im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, Beuron (Beuroner Kunstverlag) 2012.
Die Regel des hl. Benedikt online auf der Website der Benedikinerinnenabtei Frauenwörth.

Gregor der Große (um 540-604) - Dialoge, II. Buch

Papst Gregor I. leitete die Kirche von 590 bis 604. In seinem umfangreichen Werk der „Dialoge“ wollte er zeigen, dass die Kirche nicht nur im Orient große und heilige Menschen hervorgebracht hat, sondern auch in Italien. Das 2. Buch dieses Werkes ist ausschließlich dem hl. Benedikt von Nursia gewidmet. Es handelt sich bei dieser Lebensbeschreibung nicht nur um ein historisches Dokument – immerhin die einzige Quelle für die Biographie Benedikts –, sondern vor allem auch um eine Einführung in das christliche und monastische Leben.

Anhand der Stationen des Lebensweges Benedikts von Rom über Subiaco auf den Montecassino stellt Gregor die geistige und geistliche Entwicklung des späteren Mönchsvaters als einen Aufstieg nach oben dar. Dabei ist dieser Weg keineswegs perfekt, auch das Scheitern, Loslassen und Neuanfangen kommen vor. Die erzählten Ereignisse sind Beispielgeschichten für das Wachsen und Reifen im geistlichen Leben mit all seinen Herausforderungen. Das macht das Buch für jeden lesenswert, der sich auf diesen Weg machen will – ob im Kloster oder in der Welt. Für uns heute vielleicht befremdlich mag sein, dass besonders die Wunder des hl. Benedikt eine zentrale Rolle spielen. Doch für Gregor war das ganz wichtig, denn in den Wundern drückt sich die Nähe Benedikts zu Gott aus, von dem alle Kraft kommt; Gottes Kraft wird in den Wundern sicht- und greifbar.

Textausgaben:
Gregor der Große, Der hl. Benedikt. Buch II der Dialoge, lateinisch / deutsch, (EOS Verlag) St. Ottilien 1995.
Gregor der Große, Vita Benedicti / Das Leben und die Wunder des verehrungswürdigen Abtes Benedikt, lateinisch / deutsch, übers. und komm. von Gisela Vollmann-Profe, (Reclam) Stuttgart 2015.

Textquelle: "Nimm und lies" - Geistliche Bestseller des Christentums zusammengestellt von Prälat Josef Weismayer, Stift Kremsmünster 2019

Hl Benedikt

Die Tischlesung

„Beim Tisch der Brüder darf die Lesung nicht fehlen.“ (RB 38,1)

Nach diesem Vers aus der Benediktsregel hören wir in unserer Gemeinschaft zu den Mahlzeiten eine sogenannte Tischlesung. Neben einem längeren Gebet vor und nach dem Essen ist das eine alte monastische Tradition. Durch diese Lesung werden wir beim Essen nicht nur körperlich, sondern auch geistig gestärkt. Sind es jeden Tag zwar nur ein paar Seiten, lesen wir doch mit der Zeit viele Bücher.

Nachdem der Tischleser auf die Kanzel in unserem Refektorium, d.h. dem Speisesaal im Kloster, gestiegen ist, beginnt er mit einigen Versen aus der Heiligen Schrift – mittags aus dem Alten, abends aus dem Neuen Testament. Daran schließt sich während der Suppe unsere aktuelle Lektüre an, bis der Abt mit seiner Glocke läutet und wir Mönche uns beim Essen unterhalten dürfen. Mittags folgt ganz am Ende noch eine Stelle aus unserer Regel, abends werden die Heiligen des nächsten Tages (Martyrologium) verlesen.

Aktuelle und vergangene Tischlesungen

Aktuelles aus dem Konvent

Kontakt

STIFT KREMSMÜNSTER
Stift 1 | 4550 Kremsmünster | Austria

Tel: +43 (0) 75 83 52 75-0
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