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05. Juli 2022

"Im Psalmengebet schwimmen"

Beim Treffen mit der Klostergemeinschaft erzählte Abtprimas Gregory Polan von seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit den Psalmen.

Seit 1. Juli 2022 ist der oberste Benediktiner weltweit, Abtprimas Gregory Polan, zu Besuch in unserem Kloster. Von hier aus besucht er mehrere Benediktinerklöster in Österreich. Am Sonntag Nachmittag gab es ein Gespräch mit der Gemeinschaft.

Der Abtprimas sagte bei seinen Grußworten, dass er – seit er in Österreich ist – umgeben ist von Schönheit. Er nannte die Schönheit des Landes, die Schönheit der Menschen, die Schönheit des Klosters und die Schönheit der Musik im Hochamt; es wurde die Theresienmesse von Josef Haydn gesungen.

Der Abtprimas verglich das Leben mit einer Reise und stellte heraus, wie verschiedene Lebensreisen einen Menschen prägen.

Die Psalmen sind für Abt Gregory ein wichtiger Teil der Bibel und ebenso für sein eigenes Leben. In seinem Noviziat hat er begonnen den Psalter auswendig zu lernen, wofür er drei Jahre benötigte. Im Auftrag der Bischofskonferenz erstellte er als Professor eine neue Psalmenübersetzung, die auf dem hebräischen Urtext basiert. Bis dahin war der Psalter von der lateinischen Übersetzung, der sogenannten Vulgata, ins Englische übertragen worden. Das aber sei eine Übersetzung einer Übersetzung gewesen. Schade findet er, dass wir als Benediktiner nicht alle Verse der 150 Psalmen beten, da ja die sogenannten „Fluchpsalmen“ ausgelassen werden, der gesamte Psalter aber das gesamte Leben der Menschen mit seinen guten und schlechten Zeiten umfasse (Krieg, Katastrophen,...).

Generell gilt, dass man – im Bild gesprochen – „im Psalmengebet schwimmen“ sollte. Da im Psalter, der durch die Inspiration des Heiligen Geistes verfasst sei, alle Gefühle und Stimmungslagen des Menschen enthalten seien, könne man durch sie Gottes Wort an sich selbst entdecken. Das Psalmengebet sei ein Gebet von anderen Menschen, die diese vor rund 2500 Jahren gedichtet und gebetet haben. Die Ordensgemeinschaften und Priester beten in der Tagzeitenliturgie jeden Tag einen bestimmten Teil des Psalters für die Menschen und für die Welt. Die Stille nach den Psalmen und der Schriftlesung sei ebenso sehr wichtig, da wir uns dabei auf das Gespräch mit Gott einlassen könnten.

Nachdem sein neues Buch über die Psalmen schnell vergriffen war und neu aufgelegt wurde, arbeitet er nun an einem weiteren Projekt, einer persönlich gehaltenen Auslegung der sogenannten „Cantica“, also den hymnischen Texten des Alten und Neuen Testaments, die im Chorgebet der Mönche regelmäßig gebetet werden.

Zum Abschluss wurden einige Fragen von den Mitbrüdern an den Abtprimas gestellt. Unter anderem ging es um die Ökumene, um den synodalen Weg, um Zukunftsperspektiven in Sant‘ Anselmo, sowie um die Situation der Benediktiner weltweit und die Frage des Nachwuchses. Eine Hauptaufgabe, gerade im Blick auf zahlreiche afrikanische Gemeinschaften, ist die Ausbildung der jungen Mönche. Eine Frage betraf das „Kloster als geistliches Zentrum“. Der Abtprimas empfahl, den Glauben gemäß dem Evangelium vorzuleben und die Gastfreundschaft zu pflegen.

Danach wurde vor der Vesper in der Stiftskirche zur Erinnerung an diese Tage ein Konventfoto mit dem Abtprimas geschossen.

stift kremsmuenster abtprimas gruppenfoto konvent

Nach seinem Besuch in Kremsmünster stehen für den Abtprimas in den nächsten Tagen noch weitere Begegnungen in einigen österreichischen Benediktinerklöstern auf dem Programm, bevor es am Donnerstag wieder zurück nach Rom gehen wird.

Frater Jakobus Sieberer-Kefer

Buchtipp:
Gregory Polan
Die Psalmen. Impulse zu den ältesten Gebeten der Bibel
Vier-Türme Verlag, Münsterschwarzach 2020
ISBN 978-3-7365-0306-9

 

Eindrücke vom Besuch des Abtprimas im Konvent