Moderner Kirchenbau
20. Oktober 2020

50 Jahre Benediktus-Kirche Neuhofen

Die Pfarre Neuhofen feierte den 50. Weihetag der Pfarrkirche bei einem Festgottesdienst mit Altbischof Maximilian Aichern.

Kirchweihfest zu ebener Erde und im „Untergeschoß“

Trotz Corona-bedingter Einschränkungen feierte die Pfarrgemeinde Neuhofen/Krems am 18. Oktober 2020 das 50-jährige Jubiläum der Neuen Pfarrkirche.

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Der Festgottesdienst mit Altbischof Maximilian Aichern, P. Hubert, P. Josef und Pfarrer P. Klaus wurde von der Benediktuskirche in den darunterliegenden Pfarrsaal auf eine große Videoleinwand übertragen. So konnten alle Gläubigen unter Einhaltung der notwendigen Abstände mitfeiern. Altbischof Maximilian Aichern ging in seiner Predigt sehr engagiert auf das Thema Kirchweihjubiläum ein. Er stellte aber nicht nur das „jubilierende Gebäude“, sondern auch die Pfarrbevölkerung als „lebendige Steine“ in den Mittelpunkt. Er blickte auf seine zahlreichen Besuche als visitierender Bischof und als Firmspender zurück. P. Josef, selbst 30 Jahre Seelsorger in der Pfarre Neuhofen, verlas die Grußbotschaft von Fouad Twal, dem emeritierten Lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Er ist ein „guter Bekannter“ unserer Pfarrgemeinde und war oft Firmspender in Neuhofen.

Pfarrer P. Klaus stellte am Ende des Festgottesdienstes den von Herrn Dr. Dieter Rodemund mit viel Engagement gestalteten Film über die Benediktuskirche vor. Der Film lief in einer Endlosschleife und kann jederzeit im Internet auf der Website der Pfarre Neuhofen/Krems angesehen werden.

Direkter Link zum Film über die Benediktuskirche Neuhofen/Krems

 

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Worte zum Jubiläum

Foto Pater Klaus

Pfarrer P. Klaus Zarzer auf die Frage, was so ein Jubiläum für die Pfarrgemeinde bedeutet: „Mit Sicherheit ist es zu wenig, uns nur an das damalige Ereignis der Weihe und an eine vielleicht eindrucksvolle Liturgie zu erinnern. Denn ein Kirchweihfest ist vielmehr ein erneutes Bewusstmachen der Geschichte Gottes mit uns Menschen, damals wie heute, der Geschichte Gottes mit uns als Gemeinschaft und jedem Einzelnen von uns. Des Weiteren soll uns dieses Fest aufs Neue an die Heilstaten Gottes an uns und für uns und unsere Antworten auf dieses Heilswirken Gottes erinnern. … Diese Tatsache ist wohl Anlass genug, wieder einmal innezuhalten und Danke zu sagen: Gott dafür zu danken, was in den letzten fünfzig Jahren von diesem Haus an Segen für die Menschen von Neuhofen ausgegangen ist. Denn viele Gottesdienstbesucher hat diese Kirche schon gesehen, viele haben hier Trost und Lebensmut empfangen und viel Glaubenskraft ist mit Sicherheit von hier ausgegangen.“ Und im Blick auf die Zukunft meint P. Klaus: „Fünfzig Jahre lang ist in unserer Kirche den verschiedensten Menschen die Begegnung mit dem lebendigen Christus ermöglicht worden und ich bin überzeugt, dass es bei allem Auf und Ab in unserer Kirche auch weiterhin so sein wird.“

Informationen zum Kirchbau, Zeitzeugen-Berichte usw. sind im Pfarrblatt MAGNET nachzulesen.

Abt Ambros Buchpräsentation 24.09.20 2

Abt Ambros schreibt in diesem Pfarrblatt an die Pfarrgemeinde: „Wir brauchen heilige Zeichen. Die Kirche als heiliges Zeichen ist ein Hinweis auf die ewige Bestimmung des Menschen. Sie erinnert uns daran, wer wir sind. Sie sagt uns, was das Ziel des Menschen ist. Sie mahnt uns, unser Unterwegssein zum Lebensziel nicht zu vergessen. Wir dürfen nicht der reinen Diesseitigkeit verfallen. Die Kirche lenkt uns himmelwärts. Darum brauchen wir sie. … Wir brauchen Kirchen, weil sie uns das Geheimnis bewahren.
Natürlich brauchen wir Menschen Nahrung und Wohnung und Beschäftigung. Aber wir brauchen mehr! Wir brauchen die frohe Botschaft Gottes, wir brauchen die Geheimnisse des Heiles, die Geheimnisse vom Leib und Blut Jesu Christi. Zu bestimmten Zeiten und in besonderen Lebenssituationen gilt das Wort von R.M. Rilke: ‚Es gibt Augenblicke, in denen ist eine Rose wichtiger als ein Stück Brot‘. 50 Jahre Kirchweihe. Herzlichen Glückwunsch!

"Vater-Unser-Garage" oder "Wohnung Gottes"

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Genau 30 Jahre war P. Josef in Neuhofen als Seelsorger tätig und hat in dieser Kirche unzählige Gottesdienste gefeiert und Sakramente gespendet. Die Pfarrblatt-Redaktion hat ihn darum gebeten, Gedanken zu diesem Anlass zu schreiben. Hier sein Beitrag zum Fest „50 Jahre Benediktuskirche“:

Ich erinnere mich noch sehr gut:  Es war der Samstag, 1. September 1979. Ich zelebrierte als neuer Kaplan zum ersten Mal in der Benediktus-Kirche, eine Messfeier mit ganz neuen Eindrücken. Was erwartete mich hier? Alles ist anders, wirkt offen, moderner, wesentlich im Vergleich zur bisher gewohnten Rokokokirche Kirchberg. Wesentliches war anders: der Altar eher in die Mitte gerückt, keine Säulen im Kirchenraum, kein Stuck und keine Fresken, viel Ziegel und Beton. „Vater-Unser-Garage“ wurde sie wenig schmeichelhaft genannt. Der Bau hatte nicht nur Freunde. Die Architektur wurde damals geprägt von einer Wertschätzung des Rohen, des Ungeschönten und Vorgefundenen.

Wer hier aber schon einmal eine Messe mitgefeiert hat, weiß um seine Vorzüge. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) stellte an die Kirchengebäude neue Anforderungen. Gewünscht war nun unter anderem ein freistehender Altar, um den sich die Gemeinde versammeln kann. Neuhofen ist ein Beispiel für die Umsetzung der Konzilsideen im Kirchenbau. Von diesem außergewöhnlich gestalteten Gottes-Raum habe ich mich sehr schnell ohne Wenn und Aber angesprochen, aufgehoben, am richtigen Ort gefühlt.

Neuhofen Kirche Osternacht

Sehr gerne habe ich in den 30 Jahren als Seelsorger in Neuhofen in dieser Kirche die Gottesdienste gefeiert, v.a. wenn bei Hochfesten, div. besonderen Feiern der Kirchenraum wirklich ganz „von Jung bis Alt“ gefüllt war; wenn bei Jungschar- und Jugendmessen für die Mitgestaltung der große, überschaubare Altarraum miteinbezogen wurde. Nicht den konsumierenden Menschen entspricht dieser Raum, sondern jenen, die eine gemeinsame Feier gestalten, die den Raum mit Leben erfüllen. Die Communio der feiernden Gemeinde war erbauend spürbar. Die Liturgie wirkte intensiver, ich fühlte mich dichter mit der Gemeinde verbunden. Liturgie muss ja Raum geben für die Erfahrung des ganz Anderen, muss Ort sein für Mysterium und Erlebnis.

Es braucht Kirchen als Wohnung Gottes hier auf Erden für die Gemeinschaft von uns Menschen mit Gott. Das müssen wir uns immer vor Augen halten: In diesem Haus geht es um Gott und seine Gegenwart in seinem Wort und Sakramenten.

„Gottes Bau seid Ihr“ – dieses Wort des heiligen Paulus wurde vor 50 Jahren beim Kirchweihfest verkündet.
Ein runder Geburtstag – ein Kirchweihjubiläum – ist ein Anlass, zurückzublicken und Ausschau zu halten. Auf welchem Fundament ist sie gebaut – was trägt sie, was hält sie zusammen? Was hat sich entwickelt? Was ist abgebröckelt? Was gilt es zu erneuern? „Wir sind nicht auf Erden, um ein Museum zu hüten, sondern einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schöne Zukunft bestimmt ist.“ (Papst Johannes XXIII.)

Darum gilt, in Anlehnung an Lothar Zenetti („Baustelle der Zukunft“):

Hier wird gebaut
auch nach 50 Jahren noch
und darüber hinaus
für eine Kirche
Baustelle der Zukunft.
Schauplatz kommender Ereignisse.
Unbefugte haben Zutritt.
Niemand ist an der Leine zu führen.
Spielende Kinder sind erwünscht.
Es darf gelacht werden!
Liebe Gemeinde, entfalten Sie Ihre Anlagen.
Das Betreten des Rasens ist geboten.
Hier wird gebaut: eine Kirche.

… und welchen Wunsch hat das „Geburtstagskind“?

Vielleicht lautet der Wunsch dieser Kirche nach 50 Jahren immer noch so: Ich wünsche mir, dass ihr in meinen Mauern Gott selbst gegenübersteht. Doch dazu kann ich euch nur meine Türen offenhalten und das will ich tun. Für das andere, für das Lob Gottes und das Leben zwischen meinen Mauern müsst ihr selber sorgen. Das wäre dann für mich die schönste Weihe, die schönste Kirchenweihe. Dann habt ihr verstanden, was der Psalmbeter meint: HERR, ich liebe die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ (Ps 26,8)

Pfarre Neuhofen an der Krems

 

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