10. Juni 2022

Ein Gott in drei Personen?!

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag von P. Josef Stelzer.

Gott ist viel mehr, als wir über ihn sagen können. Auch wenn wir uns viele kluge Gedanken machen, so müssen wir doch immer wieder feststellen, dass Gott unseren menschlichen Verstand übersteigt. Wir können Gott nicht fassen. Das musste auch schon der Kirchenlehrer Augustinus im vierten Jahrhundert erfahren. Eine Legende über ihn erzählt, dass er am Strand entlangging und einen kleinen Jungen beobachtete, der mit einer Muschel Meerwasser in eine Sandgrube schöpfte. Augustinus fragte den Jungen: "Was machst du da?", und der Junge antwortete ihm: "Ich schöpfe das Meer aus." "Unmöglich", rief Augustinus aus, "das schaffst du nie." "Siehst du", erwiderte der kleine Junge, "genauso wenig kannst du Gott erforschen und ausforschen mit deinen Gedanken."

Drei Verse aus den Psalmen drücken je etwas von der Drei-Faltigkeit Gottes aus, helfen uns, Gott nicht ein-, sondern dreifaltig zu denken und zu glauben. Sie können uns zeigen, was es heißt: Gott ist ein Gott über uns, ein Gott neben uns, ein Gott in uns.

Der erste Gedanke stammt aus Psalm 139: "Von allen Seiten umgibst du mich, und legst deine Hand auf mich. Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, ich kann es nicht begreifen." Gott umgibt mich, er kennt mich und hält mein Leben in seiner Hand. Er ist der Gott-mit-uns, der Ich-bin-da, der uns seine Nähe zeigt. Dieser Gott, der uns ins Leben und ins Dasein gerufen hat, geht alle Wege mit uns. Er umgibt uns und trägt uns.

Das wird noch viel deutlicher in Psalm 23, wo es heißt: "Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil. Denn du bist bei mir." Diesen Gott, der bei uns bleibt und mit uns geht, selbst in den Abgründen des Lebens, diesen Gott hat uns Jesus Christus nahegebracht, ja, er ist in ihm, in seiner Person leibhaft, konkret, fassbar geworden. Er selbst ist einer von uns geworden, um mit uns durch die Dunkelheiten des Lebens hindurchzugehen, die wir täglich erfahren, in Krankheit oder Trennung, im Ausgeschlossensein, in Enttäuschungen, sogar im Tod. Jesus selbst hat die tiefste Dunkelheit des menschlichen Lebens erlebt und erlitten - den Tod. Er hat uns gezeigt, dass der Weg durch die finstere Schlucht, durch den Abgrund des Todes zum Leben führt und dass er selbst in dieser Dunkelheit bei uns bleibt.

Gott ist der Gott, der ins Dasein ruft und unser Leben erhält, er ist der Gott, der mit uns geht, und er ist der Gott, aus dessen Kraft wir leben, der Gott, von dem der Beter in Psalm 63 sagt: "Deine Huld ist besser als das Leben, darum preisen dich meine Lippen." Sein Geist lebt in unseren Herzen, ja, er will in unserem Herzen einen Platz haben, so wie es Mose von seinem Volk erwartet.

Wenn wir das Wort "Person" wörtlich aus dem Lateinischen übersetzen, dann hat das etwas mit per-sonare "durch etwas hindurchtönen" zu tun. Die antiken Schauspieler sprachen durch eine Maske, tönten durch sie hindurch. Wenn wir das Ursprüngliche dieses Wortes auf die drei Personen Gottes beziehen, dann können wir auch mit Blick auf die Psalmverse sagen: Im Vater, im Sohn, im Geist tönt die Melodie Gottes hindurch, spricht Gottes Stimme selbst zu uns.

Ganz begreifen können wir dieses Geheimnis nicht, wohl aber ahnen, dass dieser Gott uns Menschen in Liebe nahe ist.

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