Vorsätze einmal anders
Mit einem Impuls von Abt Bernhard wünschen wir alles Gute und Gottes Segen im neuen Jahr 2026.
Ich freue mich auf das neue Jahr 2026. Seit ich mich erinnern kann, erwarte ich mit Freude, was das Jahr bringen wird. Und ich mache mir auch heuer wieder Vorsätze. Dieses Jahr allerdings ein wenig anders.
Meine Neujahrvorsätze bestehen meistens darin, dass ich etwas nicht mehr so machen möchte wie bisher. Das ist auch gut so. Wir bleiben auf dem Weg, wenn wir etwas Schlechtes vermeiden wollen. Wer sich nicht ändern möchte oder jetzt schon weiß, dass bei ihm Vorsätze keinen Sinn haben, überlässt sein Leben der Resignation und dem Rückschritt.
Vorsätze ja, aber vielleicht eher am Guten als am Schlechten orientiert. Wenn jemand zu viel Alkohol trinkt oder unzufrieden ist, wie viel Zeit er in den sozialen Medien verschwendet, glauben wir: Durch klare Verbote oder harte Einschränkungen muss man sich verändern. Das kann manchmal auch unumgänglich sein. Da helfen vielleicht Listen, auf denen man z.B. den Alkohol- oder Internetkonsum aufschreibt und das dann jemanden zeigt.
Manchmal ist eine andere Strategie sinnvoller: Ich führe „Alternativrituale“ ein. Das heißt, ich schaue, wann ich wo eine schlechte Gewohnheit habe und versuche diese mit etwas Gutem zu ersetzen. Das kann eine Verabredung mit einem lieben Menschen sein, wenn ich mich ansonsten gehen lassen würde. Oder sich schon von vornherein etwas zurecht zu legen (etwa ein gutes Buch), das dann an die Stelle von etwas anderem tritt, was schadet.
Die Frage ist dabei: „Was macht mir Freude?“ Eine anhaltende, tiefe Freude! Nicht nur Ablenkung oder gedankenloses Dahintriften. Wie wäre es, wenn wir uns für 2026 vor allem darauf konzentrieren, was wir machen möchten, was uns gut tut, wo wir andere aufbauen?
Nicht zu sehr darauf fixiert sein, was ich vermeiden möchte. Sondern mehr darauf zu blicken, wo ich hin möchte. Diese Orientierung kann mir helfen, das Jahr mit Zuversicht zu beginnen und zu erfüllen. Dabei ist es gut, von sich selbst mehr zu erwarten als von anderen, Institutionen inbegriffen.
Entscheidend für eine solche Haltung ist die Dankbarkeit. Wenn ich so manche fruchtlose Diskussion oder Vorwürfe höre, frage ich mich: Kommt das nicht auch daher, dass sich jemand herausnimmt, das Maß aller Dinge zu sein und nicht mehr sieht, was uns alles geschenkt wird?
Richten wir Erwartungen vor allem an uns selbst! Das bedeutet nicht, alles hinzunehmen und gutzuheißen. Manchmal muss man etwas kritisieren und dagegen auftreten. Aber nicht immer und überall.
Das Jahr 2026 wird dann gelingen, wenn wir uns in Dankbarkeit üben und schlechte Gewohnheiten durch gute ersetzen. Folgen wir dem, was uns und anderen Freude bereitet. Dann werden wir zu denen, die wir in Wirklichkeit sein möchten. Ich bin fest überzeugt, dass diese Dynamik vom Wirken Gottes getragen ist.
Abt Bernhard Eckerstorfer OSB, verfasst für Bezirksrundschau Kirchdorf