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13. Juli 2026

Faszination Bruder David Steindl-Rast

Mit Freude und Dankbarkeit blicken wir auf das Kolloquium anlässlich seines 100. Geburtstages zurück.

Br. David Steindl-Rast fasziniert und inspiriert viele Menschen, durch sein Leben als Mönch, seine Gedanken und Worte, die er noch mit 100 Jahren mit beeindruckender geistiger Frische und Wachheit formuliert. Auf dem Kolloquium „Geheimnis des Lebens“ zu Ehren seines runden Geburtstages, das am 10. und 11. Juli in Kooperation mit dem Europakloster Gut Aich im Stift Kremsmünster stattfand, war das eindrücklich zu erleben.

Menschen aus Nah und Fern füllten am 10. Juli den Kaisersaal des Stiftes Kremsmünster, um einen der großen spirituellen Lehrer unserer Zeit anlässlich seines 100. Geburtstags zu ehren: Br. David Steindl-Rast OSB. Nach der Eröffnung durch Abt Bernhard führte Frau Univ.-Prof. Dr. Brigitte Kwizda-Gredler in das Leben des Jubilars ein. Dabei ging sie dem Mönch-Sein von Br. David nach und wie es dazu kam, dass der 1926 in Wien geborene schließlich 1953 Benediktiner im Kloster Mount Saviour (New York) wurde. Angesichts der steten Todesgefahr wurde seine Jugend ein Leben im Jetzt und Heute und deshalb glücklich. Von dieser Erfahrung geprägt stieß er auf die Mahnung des Hl. Benedikt, den Tod täglich vor Augen zu haben – und wurde Benediktiner, um erfülltes Leben zu finden.

Heute lebt Br. David im Europakloster Gut Aich, dessen Gründer Dr. P. Johannes Pausch OSB von seinen Erlebnissen mit Br. David berichtete. Er habe aufgehört ihn mit dem Verstand zu begreifen, wie er begonnen habe ihn zu lieben, so P. Johannes. In Bildern, die das Publikum zum Schmunzeln brachten, erzählte er von Br. David, erklärte mit einem Schnupftuch und Vogelfutter Br. Davids Geisteshaltung einer Verantwortung für alle wie ein guter Hausvater, und mit einem Rosenkranz-Ring seine Kraftquelle im Gebet in der Verbindung mit vielen Menschen. Die Wurzeln von Br. David seien im Himmel, wie der aus einer Wurzel gefertigte Alterstab von Br. David zeige. Nach dnm mit festlicher Musik gerahmten Vorträgen ging es in die Stiftskirche zur Choral-Vesper zum Hochfest des Hl. Benedikt. Sie wurde in lateinischer Sprache gesungen, wie es sich Br. David gewünscht hat und es im Stift an Festen alte Tradition ist.

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Den Abschluss des Abends bildete unter dem Titel „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ eine Symphonie aus Texten von Rilke und Liedern für Br. David, dem Musik und Poesie- in besonderer Weise die des vor 100 Jahren gestorbenen Rilke – zeitlebens sehr viel bedeuteten. Von Stefan Wilkening gelesene Abschnitte aus den Sonetten an Orpheus wechselten sich mit Liedern ab, die Gerard Demattio von Cole Knutson am Flügel begleitet vortrug; arrangiert und eingeleitet hat den Abend Cordula Demattio.

Der zweite Tag des Symposiums begann mit einem Morgengebet in der Stiftskirche, das Brigitte Kwizda-Gredler und Kristina Proleta vom Kloster Gut Aich mit Texten von Br. David gestalteten. Zurück im Kaisersaal sprachen Vertreterinnen und Vertreter der Netzwerke Dankbar Leben aus Argentinien, den USA und dem deutschsprachigen Raum über ihre Erfahrungen mit Br. David und zeigten die internationale Ausstrahlung seiner Botschaft der Dankbarkeit. Ihre persönlichen Worte ließen spüren, worin die Faszination von Br. David besteht: in der Erfahrung seiner Art einfach da zu Sein, wach für den Augenblick zu leben und anderen dabei zu helfen, selbst wach zu und zu Hause zu sein: neugeboren zum Leben mit Dankbarkeit und Frieden.

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Vom Menschwerden, der eignen Verantwortung und der Notwendigkeit einer Reflexion des Glaubens sprach der Arzt und Priester Univ.-Prof. Dr. Matthias Beck vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen und Begegnungen mit Br. David. Dabei betonte er, dass Glaube mit Wissen zu tun habe und die ersten beiden Gaben des Hl. Geistes die Erkenntnis und Einsicht seien. Glaube bedeute, sich jemandem anderen zu überlassen, vom Ich zum Du zu kommen, wobei die Wahrheit symphonisch sei. Nach vielen Worten über und zu Br. David kam der Jubilar schließlich selbst auf die Bühne, um mit Prof. Breck zu sprechen; die Moderation hatte Paul Wuthe (Kath-Press). Wie die Religionen trennten, verbinde alle Menschen ihre Religiosität, so Br. David, also ihr lebenslanges Ringen mit dem großen Geheimnis. Um dieses zugänglich zu machen, haben Menschen die Religionen gegründet. Sie seien gekennzeichnet durch Lehre, Moral und Ritual, das heißt das Wahre, Gute und Schöne, und darüber könne man in Dialog treten und voneinander viel lernen. Auf die Frage von Paul Wuthe, wie sich der Mensch für das Höhere entscheiden könne, meinte Br. David, dass das in den kleinen Gesten und Begegnungen des Alltags geschehe und man dann im Augenblick spüre, was gut ist, um dieses dann auch tun; die großen Entscheidungen setzten sich aus diesen kleinen Entscheidungen zusammen. Statt von Gott spreche er lieber vom großen Geheimnis des Lebens, da das viel zugänglicher sei. Die große Aufgabe des Menschen heute sei es, das Wir zu leben und dem Leben zu trauen, dem wir so weitgehend jeden Augenblick vertrauen. Deshalb sei es im ein so großes Anliegen Menschen zu verbinden und Spaltungen zu überwinden, die verhinderten, Probleme zu lösen. Das Thema Auferstehung und deren Aktualität – „wir stehen heute wieder vor einem leeren Grab“ – führte abschließend zur Frage nach dem Sterben. Dabei sei, so Br. David, das „was kommt danach?“ sehr problematisch, denn mit dem Sterben sei die Zeit zu Ende. Jetzt lebten wir in Zeit und Ewigkeit, die bleibt, wenn die Zeit einmal vorbei ist. In ihr lebten wir schon jetzt durch unsere Beziehungen, durch die Liebe, die außerhalb der Zeit ist. Sie bleiben und so werden wir uns auch einmal wiedersehen. Der Mensch sterbe an ausgereifter Liebe. Man spürte: hier spricht jemand, der etwas erfahren hat vom Geheimnis des Lebens – gerade das macht seine Faszination aus.

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Nach dem Mittagsgebet in Stille und der Stärkung in der Stiftsschank konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Erfahrungsräume des Stiftes erkunden, etwa das Stiftsgymnasium, die Stiftskirche, die Sternwarte und viele Orte mehr. Danach trafen sich Prof. Dr. Isabelle Brucker (Freiburg), Prof. Dr. Sr. Maura Zátonyi OSB (Eibingen, Sant’Anselmo Rom), Bundeskanzler a.D. Dr. Wolfgang Schüssel und Abt Bernhard unter der Leitung von Josef Bruckmoser (Salzburger Nachrichten) auf der Bühne im Kaisersaal zur Diskussion mit dem Thema „Glaube – wozu?“. Prof. Bruckner sprach von drei Punkten, die es ihrer Meinung nach zu einer Neuentdeckung der Spiritualität brauche: Liebe zur Stille, Kultivierung des Wortes und dem Mut zur Reflexion. Gerade die Stille fehle oft im Gottesdienst, aber auch in der Gesellschaft. Statt prägende Grundworte aus der Theologie aufzugeben, müssten diese neu übersetzt werden, als Worte zum Festhalten – darin war sie sich mit Sr. Maura und Abt Bernhard einig. Aus ihrer Erfahrung des Kommunismus in Ungarn ist für Sr. Maura für den Glauben die Aspekte Geheimnis und Geschenk leitend, dabei brauche es Mut zum Zeugnis und eine Einübung in die Empfangsbereitschaft für dieses Geschenk. Sie stellte die Frage in den Raum, ob wir denn mit Ausstrahlung so lebten, dass uns jemand nach unserer Hoffnung fragt. Dabei könne man von Hildegard von Bingen und ihren starken Bildern viel für einen ganzheitlichen Weg zu einem gelingenden Leben lernen. Dr. Schüssel sprach von der christlichen Prägung Europas und rief die Christen zur Bereitschaft auf, mehr für ihre Einstellung zu kämpfen. Aus der Erfahrung seiner Lebenszeit schaue er – wie Sr. Maura auch – sehr zuversichtlich in die Zukunft, für die das Wir entscheidend sei. Hier im Stift habe er bei einem Besuch junge Menschen getroffen, die spirituell lebten und trotz ihrer Unterschiede gemeinsam tief feierten. Für Abt Bernhard braucht Tradition stetige Innovation und Erfahrung, der Glaube werde aufgebaut, wo wir entdecken, was uns freut, wie er von Br. David gelernt habe. Spuren des Geheimnisses erlebe er ganzheitlich, in Musik, Poesie, Architektur und Riten.

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Den Abschluss und Höhepunkt des Kolloquiums bildete die Festmesse zum Hochfest Hl. Benedikt, Patron Europas, mit dem Wiener Erzbischof Grünwidl in der Stiftskirche, zu der die Krönungsmesse von Mozart erklang, wie es sich Br. David gewünscht hatte. In seiner Predigt ging der Erzbischof auf den Hl. Benedikt und die Benediktiner ein, der er durch seine Herkunft persönlich sehr verbunden sei, Br. David würdigte er als Geschenk für die Kirche und die Welt. Am Ende des Gottesdienstes dankte Abt Bernhard dem neuen Erzbischof mit den besten Wünschen für seine erste Messe in Oberösterreich. Schließlich ging Br. David zum Altar, um sich persönlich für die Feier des Kolloquiums zu seinem Geburtstag und all das Gute, das er erfahren habe, zu bedanken. Schön sei, so meinte er, dass die Feier draußen im Hof mit einem wortlosen Ritual in Stille ende, weiße Tauben als Symbol des Friedens fliegen zu lassen – was dann auch geschah. In den Abendhimmel machten sie sich auf ihren Weg ins Blau und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie Br. David erfüllt von reichen Eindrücken wieder auf den Weg nach Hause.

Die Vorträge des Kolloquiums und die Festmesse mit Erzbischof Josef Grünwidl sind auf dem YouTube-Kanal des Stiftes Kremsmünster veröffentlicht.

https://www.youtube.com/@stiftkremsmunster7552

Die Bildergalerie folgt in Kürze.