Guett Watter – Wein better

Es gibt in Österreich wohl kein anderes Stift, in dem und um das herum Wasser eine derartig prägende Rolle spielt wie in Kremsmünster. Wassergraben, Hofgartenteich, Guntherteich, Guntherdenkmal, Fischbehälter, Brunnen in Gärten und Höfen sowie in barocken Gängen und Räumen – Glitzern und Plätschern sind allgegenwärtig. Auch der Wein ist aus der Geschichte und der Wirtschaft des Stiftes Kremsmünster nicht wegzudenken – bereits in der Gründungsurkunde werden die Weingärten um Aschach und an der Rodl genannt. Später kamen weitere um Mautern und Krems und in anderen Gegenden dazu. In der Barockzeit wurde sogar im Gebiet um Kremsmünster Wein kultiviert, beispielsweise am Abhang zum Markt.

Das Thema "Wasser und Wein in der römischen Dichtung" stand beim 17. CHC-Treffen am 25. September im Mittelpunkt. Natürlich musste eine kleine Auswahl aus der reichhaltigen Literatur getroffen werden.

Catull, dessen Familie aus Verona stammte und in Sirmio am Gardasee ein Sommerdomizil besaß, freut sich in einem Gedicht über die Heimkehr von einem Aufenthalt in Kleinasien: endlich wieder der vertraute Anblick des Sees, endlich ein Ende der Reisestrapazen, endlich wieder das gewohnte Bett! In weiteren Versen schildert er uns die heitere Atmosphäre bei einem Symposion, dem eine trinkfeste Dame vorsteht. Wieder in einem anderen Gedicht präsentiert er sich selbst als armer Poet und Schnorrer: Er lädt einen guten Freund zu einem Fest ein – unter der Bedingung, dass dieser alles Notwendige mitbringt, denn er selbst besitzt gerade keinen Groschen.

Horaz, wohl der größte römische Lyriker, besingt in einer seiner Oden die Quelle Bandusia auf seinem Landgut: Ist es auch noch so heiß – sie bietet den Tieren verlässlich Kühlung und Trank. Der Dichter opfert ihr gleichsam wie einer Gottheit – und widmet ihr, vom Plätschern des Wassers und vom kühlenden Schatten der Bäume inspiriert, seine Verse. In seiner berühmten Soracte-Ode blickt Horaz mit uns aus dem Fenster auf den markanten Berg dieses Namens nördlich von Rom, wo der eisige Winter Einzug gehalten hat. Er fordert dazu auf, es sich zuhause gemütlich einzurichten, Wein aufzutischen, den weiteren Verlauf des Schicksals den Göttern anzuvertrauen und die Freuden der Jugend zu genießen. In einem anderen Gedicht sind wir auf seinem Landgut in den Sabinerbergen zu Gast: Er bietet einen Tropfen an, den er selbst gekeltert hat – natürlich nicht zu vergleichen mit den extravaganten Kreszenzen, die sein Freund, der Kulturpolitiker Maecenas, auf den Seitenblicke-Partys in der Hauptstadt serviert bekommt! Dafür jedoch bildet bei Horaz zuhause eine wirklich freundschaftliche, nicht hektische und oberflächliche Atmosphäre den wohltuenden gastlichen Rahmen.

Nach dem literarischen Part gab es diesmal ein kunsthistorisches Anhängsel: Wir besuchten das Guntherdenkmal, ein reizendes Bauwerk aus der Renaissance, von Abt Alexander a Lacu 1607 errichtet, sowie den Brunnen „Guett Watter, Wein better“ beim Eichentor.

Beim abschließenden gemütlichen Teil in der Stiftsschank konnten wir uns – passend zum Motto des Treffens – von der aktuellen Qualität der Stiftsweine überzeugen.

Wolfgang Leberbauer