Finanzbildung online

Unwissen und Unsicherheit herrschen unter der jungen Generation, wenn es um das Thema Finanzbildung geht. Es mangelt an Vertrauen in die eigene Kompetenz. Der finanziellen Zukunft sehen viele deshalb auch skeptisch entgegen. Das belegt der aktuelle YEP Jugendbericht (Herbst 2021) im Auftrag des Erste Financial Life Park (FLiP), bei dem 14- und 20-Jährige befragt wurden (repräsentativ für diese österreichische Bevölkerungsgruppe). Nur jeder fünfte Jugendliche weiß genau, wieviel Geld er im Monat ausgibt. Jeder Sechste hat keine Übersicht über sein Budget und jeder Fünfte hat Sorge, geborgtes Geld nicht mehr zurückzahlen zu können. Die Corona-Pandemie hat diese Unsicherheit zusätzlich erhöht.

Grund genug also, um sich im Wahlpflichtfach GWK der 7A und 7B Klassen mit Finanzbildung gründlich auseinanderzusetzen.

Im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbank wurde ein Workshop zu dieser Thematik entwickelt. Untergliedert in die drei Hauptbereiche „Preisstabilität“, „Finanzmarktstabilität“, „Zahlungsmittel und Zahlungsverkehr“ wurden zuerst die Aufgaben der OeNB dargestellt. Danach wurden uns geldpolitisches Wissen und Zusammenhänge sowie Fachbegriffe vermittelt, um uns selbst in unserer Rolle als mündige und kritisch-reflektierte Wirtschaftsteilnehmer/innen zu stärken.

In unserem zweistündigen Online-Workshop vom 19. 11. 2021 lernten wir mit möglichst vielen interaktiven Elementen. Mit Brainstorming, Umfragen, Quizzes und kleinen Rollenspielen versuchten wir alle aktiv zu sein und alle am Kurs Teilnehmenden ins Boot zu holen. Begriffe wie „Inflation“ oder „Zinsen“ wurden verständlicher und interessanter, wenn man einen Bezug zur eigenen Lebenswelt herstellen kann.

Inflation kann man erklären, indem man etwa über die Preisentwicklung beim Schulbuffet spricht. Auch das eigene Bezahlverhalten gibt Aufschluss über Finanzen: Wann bezahle ich persönlich im Alltag in bar, mit Karte oder dem Smartphone? Welche Erfahrungen mache ich beim Onlineshopping und beim Gamen? Oder mit Kryptowährungen, Ratenzahlungen und Handyverträgen? Wie ist mein eigenes Bankguthaben verzinst?

Mithilfe der Web-App „m€ins“ wurde auch gezeigt, wie man die eigenen Finanzen im Griff behalten kann. Die „Persönliche InflationsApp – PIA“ erklärt und berechnet die individuelle Inflation von Schülerinnen und Schülern, aber auch anderer Bevölkerungsgruppen.

Externe Expertinnen und Experten bieten immer eine motivierende Abwechslung zum Schulalltag und eröffnen eine neue Sichtweise auf ein Thema. Sie liefern aber auch interessante Inputs zu tagesaktuellen Themen, die im WPG weiter vertieft werden können.

Am Ende gab es noch eine interaktive Diskussion, bei der unter anderem folgende Fragen mit dem Referenten Eduard Popp vom Wirtschaftsmuseum Wien diskutiert wurden:

Glauben Sie, dass als Reaktion auf die Corona-Krise und der damit verbundenen höheren Staatsverschuldung eine spezifische finanzielle Maßnahme (z.B. Geldentwertung, wie viele prognostizieren) gesetzt wird?

Würden Sie uns empfehlen in Bitcoin zu investieren?

Anmerkung: Wer sich also im Jahr 2010 für 40 Dollar 160 Bitcoins gekauft hätte, könnte sich aktuell (56.380 US- Dollar Stand: 23.011.2021) über ein Vermögen von fast 9 Millionen US-Dollar freuen.

Warum zahlen die Österreicher noch so viel in bar?

Nach ausgiebiger Diskussion der Fragen war der kurzweilige Workshop auch schon wieder beendet und wir sind gut informiert aus der virtuellen Stunde in das reale Schulleben zurückgekehrt.

Martin Köfer