„Bacche, bene venies … !“ – „Bacchus, sei willkommen … !“

In der ersten Zusammenkunft nach den Sommerferien stand beim 12. CHC am 19. September ein herbstliches Thema im Mittelpunkt: Wein in der römischen Kultur und in der lateinischen Literatur.

Zum Einstieg gab es Informationen zur Herkunft des Weinbaus aus dem Kaukasus-Gebiet (Georgien rühmt sich, die Wiege des Weins zu sein) und zu seiner Ausbreitung von dort Richtung Süden und Westen. Die Griechen und Etrusker brachten ihn u. a. nach Italien, die Römer sorgten für die weitere Verbreitung in Gallien und Germanien und gaben v. a. unter Kaiser Probus im 3. Jh. n. Chr. auch der Kultivierung des Weins im heutigen Österreich entscheidende Impulse.

Nach der Beschäftigung mit dem religiösen Aspekt (Dionysos/Bacchus) kam die Rede auf die Trinkgewohnheiten der Römer (alle gesellschaftlichen Schichten konsumierten Wein), auf die Trinkgefäße und die verschiedenen Rebsorten.

Aus der unendlichen Fülle von lateinischer Literatur zum Thema Wein einige Texte auszuwählen, bleibt notwendigerweise völlig subjektiv …

So lasen wir zum „Aufwärmen“ eine Reihe von kurzen Sprichwörtern und Zitaten zum Thema, vom allseits bekannten „In vino veritas“ bis zu „Vinum lac senum“.

Dann wagten wir einen anspruchsvollen Einstieg mit einer Ode des Horaz – Wein als Symbol des bewussten Genusses des Augenblicks („Carpe diem!“ – „Pflücke den Tag!“). Im Anschluss wies uns Ovid in seiner „ars amatoria“ auf die Wechselwirkung zwischen Weingenuss und Liebe hin. Daraufhin besuchten wir mit Petron, einem Schriftsteller aus der Zeit Neros, das Gastmahl eines Neureichen, der seinen Gästen protzig einen sündteuren Tropfen serviert und dabei auf dessen Alter, das jenes aller Anwesenden übertrifft, hinweist. Mit beißendem Spott schilderte uns Martial in einem Epigramm eine weibliche Alkoholikerin – auch so manche Römerinnen konsumierten Wein in großen Mengen.

Dann blickten wir ins Mittelalter – Hugo von Orléans beispielsweise kann dem Bier im Vergleich zum Wein nichts abgewinnen. Bacchus‘ Gabe ist auch häufiges Thema der Carmina Burana, einer Gedichtsammlung aus dem Hochmittelalter: sei es seine animierende Wirkung im zwischenmenschlichen Bereich, sei es als Inspiration für Dichter, die sich bei guter Qualität des Weins zu geistigen und sprachlichen Höhen emporschwingen.

Schließlich gelangten wir zu den formvollendeten Versen des Kremsmünsterer Benediktiners P. Simon Rettenpacher (1632-1704), eines bedeutenden österreichischen Barockdichters, der auch praefectus gymnasii (Direktor des Stiftsgymnasiums) und Leiter des Theaters der Universität Salzburg war. Mit spürbarer Ironie führt er die Niederlage der Türken gegen die Österreicher darauf zurück, dass die Osmanen in ihrem Herrschaftsbereich dem Weinbau den Kampf ansagten. Denn Simon Rettenpacher feiert die Gaben des Bacchus, weist aber mit mahnenden Worten auf das richtige Maß hin – nur so kann das Leben gewürzt mit Humor und intelligenter Unterhaltung sowie ohne Streitereien einen ruhigen und angenehmen Lauf nehmen!

Unter diesem Motto stand auch der anschließende Ausklang im Gastgarten der Stiftsschank.

Wolfgang Leberbauer

Wo Latein drauf steht, ist Qualität drin! Das gilt auch für die Weine der Stiftskellerei!