24. April 2022

"Ungläubiger Thomas?"

Der Apostel Thomas gewann in den letzten Jahren als "Zweifler im postiven Sinn" viel Sympathie. Ein Impuls von Subprior P. Ernst.

Wurde der Apostel Thomas früher von so manchem Prediger als der „Ungläubige“ eher verteufelt, so gewann er nun als „Zweifler im positiven Sinn“ viel Sympathie. Ihm verdanken wir den wunderbaren Evangelienabschnitt des zweiten Sonntags der Osterzeit.

Sonntagsevangelium Joh 20,19-31

Jesus, der Auferstandene tritt acht Tage nach seiner Auferstehung erneut in die Mitte der hinter verschlossenen Türen versammelten Jüngergemeinschaft. Er wünscht ihnen den Frieden und zeigt ihnen seine Wunden: „Komm her, Thomas, leg deine Hand ruhig in meine Seite. Du sollst die Sicherheit haben, die du brauchst. Strecke deine Finger aus, hier sind meine Hände mit den Wunden vom Kreuz!“ Thomas ist überwältigt; „Mein Herr und mein Gott!“ entfährt es ihm. Da haben wir nicht einen ungläubigen, sondern einen gläubigen Thomas, der auf diese Weise der Patron der Zweifler sein könnte.

Zwei-fel ... dieses deutsche Wort lässt es anklingen, dass zum Zweifel gehört, dass es zwei Alternativen gibt, die sich widersprechen. „Jesus lebt, er ist uns erschienen“, so hört es Thomas von seinen Freunden, und zugleich weiß er: Jesus ist hingerichtet worden, er ist gestorben. Es kann doch nicht beides stimmen!

Was Thomas so sympathisch macht, ist, dass er nun nicht einfach eine Seite aufgibt, sondern beides gelten lässt: „Ich will ihn lebendig sehen, aber mit den Zeichen seines Todes!“ Zweifel gehören auch zu unserem Glaubensweg.

In so manchen Glaubensfragen wird auch uns zugemutet, die Wahrheit jeweils von sich widersprechenden Aussagen zu erspüren. Diese Thomaserzählung macht uns aber auch deutlich, dass zum Glauben auch ein sehr persönliches Betroffenwerden dazu kommen muss. Thomas kann erst glauben, als er den Auferstandenen betasten kann. Dabei geht es aber um mehr als um das Berühren mit den Händen. Es geht um ein existentielles Berührtwerden und um das Begreifen mit dem Herzen. So ähnlich ist es mit der Liebe, auch sie kann man nicht „begreifen“, sie kann man nur erfahren.

„Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ sagt Jesus zu allen, die ihn nicht anfassen können. Wenn man nur mit dem Verstand glaubt oder nur mit dem Verstand zum Glauben kommen will, werden wir uns schwertun. Nur durch ein persönliches „Berührtwerden“ durch Gott können wir zum Glauben finden. Gott kann man letztlich nur mit dem Herzen begreifen und erfahren, so wie Thomas.

Subprior P. Ernst Bamminger

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